Im Grafcet 21 wurde schon auf die Problematik hingewiesen die entstehen kann, wenn man eine Variable textuell ergänzt und diese von einer kontinuierlich wirkenden Aktion beschreiben lässt.
Hier soll das Thema ergänzend durch ein kurzes Video erklärt werden:
Kategorie-Archiv: GRAFCET-Blog
Grafcet – FAQ 6 kontinuierlich wirkende Aktion
Diese Rubrik bietet die Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen zum Thema GRAFCET.
Sie vermissen Ihre Frage? Schreiben Sie mir!
Grafcet-FAQ 6
Wenn kontinuierlich wirkende Aktionen ständig ihre Variablen beschreiben, so muss doch folgender GRAFCET immer einen Konflikt der Ausgangswertigkeit erzeugen?
Antwort:
Nein, das ist nicht so.
Erklärung:
Es werden nur die Variablen von kontinuierlich wirkenden Aktionen durch inaktive Schritte mit dem Wert false beschrieben, welche nicht bei dem aktuell aktiven Schritt vorkommen.
Im betrachteten GRAFCET wird also bei aktivem Schritt X1 der Variablen Q0 der Wert 1 zugewiesen. Durch X2 und X4 erhält Q0 nicht den Wert 0, da Q0 ja beim aktiven Schritt X1 vorkommt.
Grafcet – FAQ 5 boolsche Ausgangsvariable
Diese Rubrik bietet die Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen zum Thema GRAFCET.
Sie vermissen Ihre Frage? Schreiben Sie mir!
Grafcet-FAQ 5
Kann eine kontinuierlich wirkende Aktion nur boolesche Ausgangsvariablen beschreiben?
Antwort:
Ja, wenn eine boolesche Ausgangsvariable nicht zwingend mit einem physikalischen Ausgang gleichgesetzt wird. Bei dieser Fragestellung ist es wichtig darüber nachzudenken, wann eine Variable zu einer booleschen Variable wird.
Erklärung:
Eine kontinuierlich wirkende Aktion ordnet einer Variablen lediglich den booleschen Wert 0 (False) oder 1 (True) zu. In der klassischen Programmiertechnik kann man zwar nur booleschen Variablen boolesche Werte zuordnen, jedoch ist GRAFCET keine Programmiersprache, sondern eine Entwurfssprache.
So ist beispielsweise „Richtungswechsel“ eine gültige Variable für eine kontinuierlich wirkende Aktion. Die Aktion „Richtungswechsel“ kann also ausgeführt werden oder aber nicht.
Dadurch, dass die Variable „Richtungswechsel“ nur die Zustände True oder False annehmen kann, wird die Variable „Richtungswechsel“ zur booleschen Variablen. Wenn der Variablen Richtungswechsel der Wert False zugeordnet wird, so behält der Antrieb seine aktuelle Drehrichtung. Hier bleibt kein Raum für Spekulationen.
Würde es sich beim beschriebenen Antrieb um einen Drehstrommotor handeln, so wären passende boolesche Variablen „Q1“ bzw „Q2“ für die Bezeichnung der Lastschütze denkbar.
Eine Verwendung der booleschen Variablen „Q1“ und „Q2“ würde in diesem Fall eine Umsetzung des GRAFCETs in ein SPS Programm stark vereinfachen.
Trotzdem müssen hier nicht zwingend zwei unterschiedliche boolesche Variablen verwendet werden, die GRAFCET Norm ist vielfältiger, sie beschreibt lediglich das logische Verhalten eines Systems (siehe Norm / C.2: Seite 53).
Beachten Sie zusätzlich Grafcet 21.
Grafcet – FAQ 4 Schlussschritt
Diese Rubrik bietet die Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen zum Thema GRAFCET.
Sie vermissen Ihre Frage? Schreiben Sie mir!
Grafcet-FAQ 4
Wie endet ein GRAFCET, wenn dieser keine Rückführung besitzt?
Antwort:
Ein GRAFCET kann mit einem Schritt enden. Dieser Schritt wird dann als Schlussschritt bezeichnet.
Ein GRAFCET kann aber auch mit einer Transition enden. Diese Transition wird dann als Schlusstransition bezeichnet
Erklärung:
Damit dieser GRAFCET wieder erneut ablaufen kann, kann z.B. ein zwangssteuernder Befehl eingesetzt werden.
Grafcet – FAQ 3 Rückführung
Diese Rubrik bietet die Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen zum Thema GRAFCET.
Sie vermissen Ihre Frage? Schreiben Sie mir!
Grafcet-FAQ 3
Muss ein GRAFCET immer geschlossen sein, also eine Rückführung vom Ende zum Anfang besitzen?
Antwort:
Nein, das muss nicht zwangsläufig immer so sein.
Erklärung:
Sehr viele Grafctes besitzen trotzdem diese Rückführung, da oftmals ein mit GRAFCET beschriebener Prozess mehrmals durchlaufen wird.
Um eine komplexe Anlage beschreiben zu können, genügt es meist nicht, nur einen einzigen GRAFCET zu erstellen. Es werden mehrere Teil-GRAFCETs erstellt. Hierbei kann es leicht vorkommen, dass z.B. einzelne Teil-GRAFCETs keine Rückführung besitzen.
Grafcet – FAQ 2 Zeittrigger
Diese Rubrik bietet die Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen zum Thema GRAFCET.
Sie vermissen Ihre Frage? Schreiben Sie mir!
Grafcet-FAQ 2
Eine Transition soll 5 Sekunden nachdem der Sensor B3 bedämpft wurde auslösen. Löst die Transition nach 5s auch aus, wenn B3 nur für sehr kurze Zeit (im Millisekundenbereich) bedämpft wird?
Grafcet 21 – Ausgangsvariable kennzeichnen
Ist es zulässig eine Lampe P1 als Blinklicht darzustellen, in dem man in das Aktionskästchen neben der Ausgangsvariablen P1 noch den Hinweis blinkend ergänzt? „P1 (blinkend)“
Lösung:
Ja, das ist zulässig, aber man muss hier weitere Aspekte beachten. Die Norm gibt an, das Kennzeichen für eine kontinuierlich wirkende Aktion ist die BENENNUNG der Ausgangsvariablen. Der Ausgangsvariablen wird dann der Wert TRUE zugewiesen. Weiter gilt, dass der Text der Kennzeichnung eine hinweisende Form besitzen kann. Im gezeigten Beispiel steht „blinkend“ für die hinweisende Form.
Wichtig ist lediglich der exakte Bezug zum Ausgang!
[Die Umsetzung der linken Variante ist in einem kurzen Video auf YouTube zu sehen]
Welches Problem kann bei der rechten Variante „P1 blinkend“ entstehen?
Bei Inaktivität von Schritt 4, wird der Variablen „P1 (blinkend)“ der Zustand False zugeschrieben. Das bedeutet, P1 blinkt nicht mehr.
a) Wenn P1 innerhalb der Anlage als reines Blinklicht definiert wäre, würde man eine Inaktivität von Schritt 4 mit einer dunklen Signallampe P1 gleichsetzen, das Blinklicht wäre inaktiv.
b) Wenn jedoch P1 innerhalb der Anlage drei Zustände (dauerleuchtend, blinkend und aus) annehmen könnte, so müsste man nun konsequent jeden Schritt mit einer kont. wirkenden Aktion von P1 verknüpfen. Diese Überlegung zeigt, dass „P1“ alleine nun nicht mehr als boolesche Variable betrachtet werden kann. Es wären drei boolesche Variablen („P1 leuchtet“, „P1 blinkt“, „P1 aus“) vorhanden, die den gleichen pysiklaischen Ausgang beschreiben.
Man könnte noch argumentieren, dass es sich nur um zwei boolesche Variablen handelt („P1 leuchtet“, „P1 blinkt“), da „P1 aus“ aus der Inaktivität der anderen beiden Fällen hervorgeht. Bei dieser Betrachtungsweise wäre ein Leerschritt mit einer ausgeschalteten Lampe gleichzusetzen, die weder blinkt noch leuchtet (also dunkel ist).
Im linken GRAFCET wurde auf die kontinuierlich wirkende Aktion „P1 Dauerlicht“ verzichtet.
Dies führt zum Problem:
Fazit: Werden vormals boolesche Variablen um textuelle Beschreibungen in ihrer Funktion ergänzt, muss damit sehr vorsichtig umgegangen werden.
Ein Videobeitrag zur weiteren Erklärung finden Sie unter Grafcet 22.
Der Eintrag Grafcet 28 erläutert eine weitere Fehlerquelle bei der Verwendung von kontinuierlich wirkenden Aktionen.
Grafcet 20 – Transienter Ablauf
Im abgebildeten GRAFCET ist Schritt 2 aktiv und die Transitionsbedingung „B1“ ist ständig erfüllt.
Welchen Zustand nehmen die Signallampen P1 und P2 an, nachdem Taster S3 betätigt wurde?
Transienter Ablauf
Lösung:
Da die Transition B1 schon erfüllt ist, bevor S3 betätigt wird, wird Schritt 3 nach Betätigung von S3 als „virtuell aktiviert“ betrachtet. Der GRAFCET befindet sich danach im Schritt 4.
Die Lampe P1 ist speichernd wirkende Aktion realisiert und wird deshalb auch von einem „virtuell aktiven“ Schritt eingeschaltet.
Die Lampe P2 hingegen ist als kontinuierlich wirkende Akion ausgeführt und behält deshalb während des Übergangs von Schritt 2 zu Schritt 4 ständig den inaktiven Zustand.
Ein virtuell aktivierter Schritt hat keinerlei Auswirkungen auf eine kontinuierlich wirkende Aktion.
Fazit: Schritt 4 ist aktiv, Lampe P1 leuchtet und Lampe P2 hat nie (auch nicht kurz) geleuchtet.
Grafcet 19 – Zeitbegrenzung
Beschreiben Sie für die beiden GRAFCETs 19.1 und 19.2 das Verhalten der Signallampe.
Lösung:
Im GRAFCET 19.1 wird P1 mit Aktivierung von Schritt 3 eingeschaltet. 5s später löst die Schlusstransition aus, Schritt 3 wird deaktiviert und P1 wird somit abgeschaltet.
Im GRAFCET 19.2 wird P1 mit Aktivierung von Schritt 3 eingeschaltet. 5s später wird (durch die Angabe der Zeitbegrenzung) die Lampe P1 abgeschaltet. Weitere 5s später löst die Schlusstransition aus, Schritt 3 wird deaktiviert.
In beiden Fällen wurde die Leuchtdauer der Lampe P1 auf 5s begrenzt.










